Warnungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz: Sirenen, Cell Broadcast und Warn-Apps
Was die Sirenensignale in Deutschland, Österreich und der Schweiz bedeuten, wie Cell Broadcast funktioniert, welche Warn-Apps es gibt (NINA, KATWARN, Alertswiss) und was du bei einer Warnung tust.
Kurz gesagt
- Deutschland: Warnung = 1 Minute auf- und abschwellender Heulton, Entwarnung = 1 Minute Dauerton.
- Österreich: 3 Minuten Dauerton = Warnung, 1 Minute auf- und abschwellend = Alarm, 1 Minute Dauerton = Entwarnung.
- Schweiz: auf- und absteigender Heulton = Allgemeiner Alarm. Wasseralarm unterhalb von Stauanlagen: sofort das Gebiet verlassen.
- Bei jeder Sirene: ins Haus, Radio oder Warn-App einschalten, den Anweisungen folgen.
Eine Warnung nützt nur, wenn sie dich erreicht und du weißt, was sie bedeutet. In allen drei Ländern werden Warnungen über mehrere Wege gleichzeitig verbreitet: Sirenen wecken auf, Handy, Radio und Fernsehen sagen dann, was los ist und was zu tun ist.
Deutschland
Sirenensignale
Seit 2019 gelten bundesweit einheitlich zwei Signale:
| Signal | Bedeutung |
|---|---|
| 1 Minute auf- und abschwellender Heulton | Warnung: Gefahr. Informier dich sofort. |
| 1 Minute gleichbleibender Dauerton | Entwarnung: Die Gefahr ist vorbei. |
Manche Kommunen nutzen zusätzliche eigene Signale. Was sie bedeuten, erfährst du bei deiner Stadt- oder Gemeindeverwaltung.
Cell Broadcast
Seit Februar 2023 schicken die Behörden Warnungen per Cell Broadcast direkt auf alle Handys im betroffenen Gebiet, anonym und ohne App. Voraussetzungen laut BBK: Android ab Version 11 oder iOS ab 16.1, das Handy ist eingeschaltet und nicht im Flugmodus. Prüf in den Einstellungen, dass die Notfallwarnungen aktiviert sind.
Warn-Apps
- NINA, die Warn-App des Bundes (BBK): Warnungen des Bevölkerungsschutzes, des Deutschen Wetterdienstes und der Hochwasserzentralen.
- KATWARN: von vielen Städten und Landkreisen genutzt.
Warntag
Beim Bundesweiten Warntag, meist am zweiten Donnerstag im September, testen Bund, Länder und Kommunen alle Warnkanäle gleichzeitig. Ein guter Anlass, die eigenen Einstellungen zu prüfen.
Österreich
| Signal | Bedeutung | Was tun |
|---|---|---|
| 3 Minuten gleichbleibender Dauerton | Warnung: Gefahr nähert sich | Radio (Ö2) oder Fernsehen einschalten, Verhaltensmaßnahmen beachten |
| 1 Minute auf- und abschwellender Heulton | Alarm: Gefahr unmittelbar | Schützende Räume aufsuchen, Durchsagen über Radio folgen |
| 1 Minute gleichbleibender Dauerton | Entwarnung: Gefahr vorbei | Weitere Hinweise im Radio beachten |
Jeden Samstag um 12 Uhr gibt es eine 15-sekündige Sirenenprobe, am ersten Samstag im Oktober den bundesweiten Zivilschutz-Probealarm.
Neu ist AT-Alert: Wie Cell Broadcast in Deutschland schickt es Warnungen direkt auf die Handys im betroffenen Gebiet, ohne App und ohne Anmeldung, und ergänzt das Sirenennetz.
Schweiz
| Signal | Bedeutung | Was tun |
|---|---|---|
| Regelmäßig auf- und absteigender Heulton, 1 Minute | Allgemeiner Alarm: Die Bevölkerung könnte gefährdet sein | Radio hören, Anweisungen der Behörden befolgen, Nachbarn informieren |
| 12 tiefe Dauertöne à 20 Sekunden (nur unterhalb von Stauanlagen) | Wasseralarm: unmittelbare Gefahr | Das gefährdete Gebiet sofort verlassen |
Der Sirenentest findet jedes Jahr am ersten Mittwoch im Februar statt. Warnungen, Alarme und Verhaltensempfehlungen veröffentlicht der Bund auf alert.swiss und in der App Alertswiss.
Was du bei einer Sirene tust
- Ins Haus gehen oder in einem Gebäude bleiben. Fenster und Türen schließen.
- Informieren: Radio, Fernsehen, Warn-App oder die Website der Behörden. Ein Batterie- oder Kurbelradio funktioniert auch bei Stromausfall.
- Den Anweisungen folgen: im Haus bleiben, Lüftung abschalten, das Gebiet verlassen, je nach Lage.
- Nachbarn informieren, vor allem ältere oder hörgeschädigte Menschen.
- Notruf nur im echten Notfall wählen, damit die Leitungen frei bleiben.
Was du jetzt einrichten kannst
- Notfallwarnungen (Cell Broadcast bzw. AT-Alert) im Handy aktivieren
- Eine Warn-App installieren (NINA, KATWARN oder Alertswiss) und Wohnort, Arbeitsort und den Ort von Angehörigen hinzufügen
- Ein Batterie- oder Kurbelradio anschaffen
- Die Sirenensignale mit der Familie besprechen, auch mit Kindern
- Bei der Gemeinde nach örtlichen Sirenensignalen und Notfalltreffpunkten fragen
Was du nach einer Warnung zu Hause brauchst, steht im Ratgeber Notfallvorsorge: die ersten Schritte. Die Notrufnummern und zuständigen Behörden findest du in den Länder-Ratgebern für Deutschland, Österreich und die Schweiz.
Häufige Fragen
Brauche ich eine Warn-App, wenn es Cell Broadcast gibt?
Cell Broadcast erreicht jedes eingeschaltete, kompatible Handy im betroffenen Gebiet, ohne App und ohne Anmeldung. Eine Warn-App ergänzt das: Du kannst Orte beobachten, etwa die Wohnung der Eltern, und bekommst auch Wetter- und Hochwasserwarnungen. Am sichersten ist beides.
Wann werden die Sirenen getestet?
In Deutschland findet der Bundesweite Warntag in der Regel am zweiten Donnerstag im September statt; viele Kommunen testen zusätzlich regelmäßig. In Österreich gibt es jeden Samstag um 12 Uhr eine kurze Sirenenprobe und am ersten Samstag im Oktober einen bundesweiten Zivilschutz-Probealarm. In der Schweiz ist der Sirenentest jedes Jahr am ersten Mittwoch im Februar.
Warum hört man manche Sirenen bei mir nicht?
In Deutschland wurden nach dem Kalten Krieg viele Sirenen abgebaut. Seit 2021 fördert der Bund den Wiederaufbau, das Netz ist aber noch nicht überall dicht. Deshalb setzt Deutschland auf einen „Warnmix“ aus Sirenen, Cell Broadcast, Apps, Radio und Fernsehen.
Quellen und weiterführende Links
Preper dient der allgemeinen Information und ersetzt weder die Anweisungen der Behörden noch ärztlichen Rat. Im Notfall wähle 112 (in der Schweiz auch 144, 117 oder 118).