Atomunfall und Jodtabletten: richtig verhalten in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Was du bei einem Unfall in einem Kernkraftwerk tust: ins Haus, Fenster zu, informieren. Wann und für wen Jodtabletten sinnvoll sind, warum du sie nur auf Aufforderung der Behörden nimmst und wie sie in den drei Ländern verteilt werden.
Kurz gesagt
- Bei einem Atomunfall zuerst: ins Haus, Fenster und Türen schließen, Lüftung aus, Radio und Warn-App verfolgen.
- Jodtabletten schützen nur die Schilddrüse vor radioaktivem Jod, und nur, wenn man sie zum richtigen Zeitpunkt nimmt.
- Jodtabletten nur auf ausdrückliche Aufforderung der Behörden nehmen. Vorbeugend eingenommen nützen sie nichts und können schaden.
- Altersgrenzen: In Deutschland für Menschen bis 45 Jahre empfohlen, in Österreich bis unter 40; Kinder, Jugendliche und Schwangere haben Vorrang.
Deutschland hat seine letzten Kernkraftwerke 2023 abgeschaltet, Österreich hat nie eines betrieben. Doch in den Nachbarländern laufen weiterhin Reaktoren, einige nahe der Grenze, und die Schweiz betreibt eigene Kraftwerke. Ein schwerer Unfall ist sehr unwahrscheinlich, aber die Behörden haben für diesen Fall Pläne. So verhältst du dich.
Bei einer Warnung
- Ins Haus gehen oder drinnen bleiben. Das BBK rät bei radioaktiven Stoffen: so tief wie möglich, in innenliegende Räume oder Keller. Dicke Mauern und Erde schützen.
- Fenster und Türen schließen, Lüftung und Klimaanlage aus.
- Radio, Fernsehen, Warn-App verfolgen und den Anweisungen folgen.
- Kinder nicht aus Schule oder Kita holen: Dort sind sie in Gebäuden geschützt.
- Kein Jod nehmen, bis die Behörden es ausdrücklich sagen.
Wenn du draußen warst
- Kleidung vor der Tür ausziehen und in einen Plastiksack stecken.
- Duschen, Haare waschen.
- Keine Lebensmittel aus dem Garten essen, bis die Behörden Entwarnung geben.
Jodtabletten: was sie können
Bei einem Unfall kann radioaktives Jod freigesetzt werden, das sich in der Schilddrüse anreichert. Hochdosierte Kaliumiodid-Tabletten füllen die Schilddrüse mit normalem Jod, sodass das radioaktive nicht aufgenommen wird (Jodblockade).
Sie schützen nicht vor anderer Strahlung und nicht andere Organe.
Wann und für wen
- Nur auf Aufforderung der Behörden und in der angegebenen Dosis. Zu früh eingenommen, ist der Schutz vorbei, wenn er gebraucht wird; ohne radioaktives Jod nützt die Einnahme nichts und kann schaden.
- Vorrang: Kinder, Jugendliche, Schwangere und Stillende.
- Deutschland: empfohlen bis 45 Jahre; das Bundesamt für Strahlenschutz rät Älteren ab.
- Österreich: empfohlen bis unter 40 Jahre; Kinder und Jugendliche zuerst, Erwachsene erst bei höherer Belastung.
- Schweiz: Der Bund ordnet die Einnahme für betroffene Gebiete an.
Wie die Tabletten verteilt werden
| Land | Verteilung |
|---|---|
| Deutschland | Die Behörden lagern Tabletten und verteilen sie im Ernstfall über Apotheken, Feuerwachen, Rathäuser und andere Stellen. Die Bevölkerung wird über Medien informiert. |
| Österreich | Kinder und Jugendliche unter 18 holen sich Tabletten kostenlos in Apotheken für den Vorrat zu Hause; Erwachsene unter 40 können sie günstig kaufen. Dazu öffentliche Lager. |
| Schweiz | Haushalte im Umkreis von 50 km um ein Kernkraftwerk erhalten Tabletten vorsorglich; Neuzuzüger bekommen einen Bezugsschein der Gemeinde. |
Kein Ersatz: Jodsalz und Jodpräparate aus dem Supermarkt oder der Drogerie sind viel zu niedrig dosiert und bieten keinen Schutz.
Vorbereiten
- Notfallwarnungen und Warn-App aktiviert, siehe Warnungen, Sirenen und Warn-Apps
- Wasser- und Lebensmittelvorrat für einige Tage drinnen
- Batterieradio
- In Österreich und der Schweiz: Tabletten für berechtigte Familienmitglieder besorgen bzw. aufbewahren und wissen, wo sie liegen
- Klebeband und Plastiksäcke
Häufige Fragen
Sollte ich Jodtabletten kaufen?
In Deutschland lagern die Behörden Jodtabletten und verteilen sie im Ernstfall, etwa über Apotheken und Ausgabestellen. In Österreich können sich Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren kostenlos in Apotheken Tabletten für zu Hause holen, Erwachsene unter 40 sie günstig kaufen. In der Schweiz erhalten Haushalte im Umkreis von 50 km um Kernkraftwerke vorsorglich Tabletten. Nimm keine Jodpräparate aus dem Supermarkt: Sie sind viel zu niedrig dosiert.
Warum nicht für Ältere?
Mit dem Alter steigt das Risiko von Nebenwirkungen (etwa bei Schilddrüsenerkrankungen), und das Risiko für Schilddrüsenkrebs durch radioaktives Jod sinkt. Das Bundesamt für Strahlenschutz rät Menschen über 45 Jahren deshalb von der Einnahme ab, in Österreich gilt die Empfehlung ab 40 Jahren nicht mehr.
Quellen und weiterführende Links
Preper dient der allgemeinen Information und ersetzt weder die Anweisungen der Behörden noch ärztlichen Rat. Im Notfall wähle 112 (in der Schweiz auch 144, 117 oder 118).